Hedonisch, Ertragswert, Realwert: 3 Schätzverfahren im Vergleich

In der Schweiz dominieren drei Verkehrswertverfahren: die hedonische Bewertung (Standard der Banken für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser), das Ertragswertverfahren für Renditeobjekte und das Realwertverfahren für Spezialimmobilien. Welche Methode greift, hängt von Objekttyp, Anlass und Auftraggeber ab — oft werden mehrere kombiniert. Verkehrswert, Belehnungswert und Kaufpreis können sich dabei gut und gerne um zehn bis zwanzig Prozent unterscheiden. Gemeinsamer Rahmen ist der Swiss Valuation Standard (SVS) von SIV, SVIT-Bewerter, RICS Schweiz und HEV Zürich.

Wie funktioniert die hedonische Bewertung — und wie genau ist sie?

UBS berichtet öffentlich, dass ihr hedonisches Modell rund 70 Kriterien auswertet; das konkrete Objekt wird mit rund 50–70 Merkmalen eingespeist. Aus Hunderttausenden realer Transaktionen schätzt eine multiple Regression den wahrscheinlichsten Marktwert, meist inklusive Konfidenzintervall. Bei Standardobjekten liegt die Genauigkeit bei ±5–15 % vom später erzielten Preis; UBS gibt offen an, dass eine Online-Schätzung bis zu 20 % vom tatsächlichen Marktwert abweichen kann. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) führte 1998 als erste Bank hedonische Modelle in die Kreditprüfung ein.

Wie wird der Ertragswert berechnet — und warum bewegt die Cap Rate Millionen?

Ertragswert = jährlicher Nettoertrag / Kapitalisierungssatz. Beispiel Zürich-Affoltern: Brutto-Soll-Miete CHF 240'000 p.a., abzüglich 18 % Bewirtschaftungs- und Unterhaltskosten ergibt einen Nettoertrag von CHF 196'800; bei einer Cap Rate von 3.50 % resultiert ≈ CHF 5'623'000. Steigt die Cap Rate auf 4.50 %, fällt der Wert auf ≈ CHF 4'373'000 — ein Prozentpunkt bewegt den Wert um über eine Million Franken. Aktuelle Sätze (Stand 2026) reichen von 2.50–3.25 % an Premium-Seelagen bis 5.00–6.50 % in peripheren Gemeinden.

Was sagt der Realwert — und warum ist er kein Marktwert?

Realwert = Landwert + Zeitbauwert + Aussenanlagen/Umgebung. Der Zeitbauwert ist der Neubauwert abzüglich Altersentwertung über die wirtschaftliche Lebensdauer (z. B. 80–100 Jahre). Der Substanzwert ist nicht der Marktwert: Eine identische Villa kann am Zürichsee einen Verkehrswert von CHF 4 Mio. erzielen, während der Substanzwert nur bei CHF 2.4 Mio. liegt — die Differenz ist der Lage- und Nachfragezuschlag. Eingesetzt wird der Realwert vor allem bei Spezialimmobilien, Versicherungswerten, gewissen Steuerbewertungen und Erbteilungen.

Was kostet eine Immobilienschätzung in der Schweiz?

Die Selbstschätzung über Inserate kostet CHF 0 (±15–30 %), eine kostenlose Online-Schätzung CHF 0 (±15–25 %), ein Bezahltool wie PriceHubble CHF 100–300 (±10–15 %). Die Bank-Schätzung im Hypothekarprozess ist meist gratis (±10–15 %). Ein Vollgutachten einer zertifizierten Schätzerin (SIV/SVIT/RICS) kostet CHF 1'500–3'500 bei ±5–10 %, ein Gerichts-/Sondergutachten CHF 3'500–8'000+ (±3–5 %).

Was unterscheidet die DCF-Methode vom klassischen Ertragswert?

Die Discounted-Cash-Flow-Methode (DCF) betrachtet die ersten 5–15 Jahre explizit mit variablen Cashflows (Mietsteigerungen, Leerstandskurven, CapEx), bevor sie eine ewige Rente anschliesst — der klassische Ertragswert kapitalisiert direkt einen konstanten nachhaltigen Nettoertrag. Für regulierte Vehikel ist DCF oft implizit Pflicht (OAK BV, FINMA): Anlagestiftungen unter Aufsicht der OAK BV bewerten ihre Bestände typischerweise per DCF. Für selbstgenutztes Wohneigentum ist DCF überdimensioniert.

Verkehrswert, Belehnungswert, Kaufpreis — was ist der Unterschied?

Der Verkehrswert ist der wahrscheinlich erzielbare Preis bei einem normalen Verkauf innert üblicher Frist; der Marktwert wird im SVS praktisch synonym verwendet. Der Belehnungswert ist die meist konservative bankinterne Grösse, von der die Bank die maximal mögliche Hypothek (in der Regel 80 % davon) ableitet — er liegt häufig 5–15 % unter dem Verkehrswert. Der Kaufpreis ist das tatsächlich Vereinbarte. Diese Werte können sich gut und gerne um zehn bis zwanzig Prozent unterscheiden.